Doc und Dorf – im taz-blog

BootHeute Abend also: „Doc meets Dorf“. Romantic-Drama-Serie heißt das Genre bei RTL. Während das ZDF seine Serie „Der Landarzt“ in diesem Jahr abgesetzt hat, schickt der Privatsender mal wieder eine Stadtpflanze aufs Land. Der Plot der neuen Serie ist schnell erzählt: Top-Herzchirurgin Fritzi Frühling lebt ihr durchgestyltes Großstadtleben. Dann erbt sie einen Bauernhof in Kanada. Nein, nicht drüben, überm großen Teich, sondern draußen, in Brandenburg. Wo die Landschaft idyllisch, die Seen schön und die Film-Menschen, nunja, herzlich derb sind. An dieser Stelle schleicht sich in der Geschichte tatsächlich Alltag ein: Denn die Dorfbewohner suchen händeringend nach einem Landarzt. Das ist knallharte Realität: Wie die Landesärztekammer Brandenburg in der Kampagne „Ärzte für Brandenburg“ schreibt: „Die medizinische Versorgung ist aufgrund des Ärztemangels insbesondere in den ländlichen Gebieten Deutschlands gefährdet. Mittlerweile gibt es zahlreiche Maßnahmen von den unterschiedlichsten Organisationen, um dem Ärztemangel entgegenzuwirken.“ Von den „zahlreichen Maßnahmen“ suchen sich die RTL-Dorfbewohner eine ungewöhnliche aus: Sie kapern die junge Ärztin.

Sie bleibt schließlich freiwillig, und es entspinnen sich die erwartungsgemäßen Verwicklungen mit einem attraktiven Nachbarn und einem Tierarzt. Inez Bjørg David, die diese Fritzi spielt, darf in der Serie kraftvoll fluchen, was zumindest den Trailer recht amüsant macht. Auf der RTL-Website wird die junge Dänin, die seit einigen Jahren in Berlin lebt, danach gefragt, ob sie sich so einen drastischen „Spielortwechsel“ auch privat vorstellen könne. Sendertauglich antwortet sie: „Absolut! Mirko und ich haben ja auch ein kleines Häuschen auf dem Land. Vor allem mit den Kindern finde ich es absolut wunderbar auf dem Land.“ Und sie sei definitiv ein „Landei“. Der ständige Trubel in der Stadt mache ihr immer wieder „echt zu schaffen, und ich kriege dann richtig Sehnsucht nach dem Land.“ Soweit zur PR-Variante.

Kleiner Schlenker zu den Kollegen von der Berliner Morgenpost. Auch sie haben die Schauspielerin interviewt, auch dort erzählt sie von ihrem Häuschen in Brandenburg, wo sie an den Wochenenden auftanke. Aber es kommt noch ein Nachsatz: „Ganz auf dem Land zu leben sei jedoch keine Option für sie, wie die zweifache Mutter sagt. “Mir ist klar, dass ich nicht auf Dauer dort leben kann. Es ist mir einfach zu wichtig, auch zu Fuß einkaufen gehen zu können oder ins Kino zu gehen”, sagt Inez Björg David. Deshalb hole sie sich das “natürliche Leben” mit einem sehr bewussten Lebensstil in die Großstadt, wie sie erzählt. Sie kaufe in Bio-Läden ein, mache viel Yoga, lebe vegan.“

Was lernen wir daraus? Dass es zum einen nicht egal ist, wem man Interviews gibt. Und dass zum anderen Ärzte vorsichtig sein sollten, wenn sie mal einfach so kurz aufs Land fahren wollen.

http://blogs.taz.de/stadtlust/2013/08/22/dorf-kapert-doc/

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