Much fun for free – aus dem taz.de-Sommerblog

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Heute aus: London

Ich habe den Juli in der begehrtesten Metropole Europas gearbeitet. Allein vergangenes Jahr zogen Hunderttausend Menschen (100.000!) aus der ganzen Welt hierher, entsprechend wuselig geht es zu, was ich ja prinzipiell sehr schätze – wäre das Wohnen nicht so absurd teuer. 800 Pfund für ein WG-Zimmer in einem dieser Multikulti-Klinker-Reihenhaus-Viertel, das es nie in den Lonely Planet schaffen wird, ein Hammer. The good news für Neu- und Alteinwohner: London geht auch ohne teuer. Denn wie alle Big Cities bietet es überall Fun und Hochkultur für nüscht. Für total umsonst.

Kostprobe gefällig? Fast all die grandiosen britischen Museen (Tate, British Museum, …) sind gratis, und als wäre das nicht nett genug, organisieren die Museumsmacher ständig Extras für ihre Besucher. In der National Gallery etwa drückte uns eine Kunstpädagogin Tafeln und Kreide in die Hand, damit wir gemeinsam mit Dutzenden anderen lernten, römische Skulpturen abzuzeichnen. Im Natural History Museum landete ich in einem Vortrag über die irre Welt der Kakerlaken, inklusive Streicheln eines 8 Zentimeter großen Prachtexemplars aus Madagascar. Großartig!

Ebenfalls much fun for free: das „Summer Festival“ im Hyde Park. Einen ganzen Tag lang rockten hier alte Jungs wie Elvis Costello und Ray Davies und junge Musikerinnen wie Gabrielle Aplin die Bühnen. Am Tag drauf verlangten die Rolling Stones 70 Pfund Eintritt, doch auf der Wiese hinterm Zaum konnte man umsonst mithören; genau wie beim Opern-Festival im Holland Park.

Die 143 Londoner Parks gewinnen für mich ohnehin den ersten umsonst-und-draußen-Preis. Sie begrünen ein Drittel der Stadtfläche, werden tiptop gepflegt und bieten täglich Showprogramm. Im Hyde-Park tanzen Freestyle-Rollerblader, daneben spielen Mädels im weißen Rock Baseball, zwischendrin scheuchen Ex-Elitesoldaten beim „Afterwork-Gym-Bootcamp“ ihre Gruppen durch die Gegend – all dies lässt sich entspannt beim Rumlümmeln auf den riesigen Liegewiesen genießen. An den heißen Tagen tauchte ich nach Feierabend im Hampstead Heath Park in den Lady´s Pond, einen Schwimmteich ohne jedes Testosteron. Wer Lust hat auf Hirsche, exotische Bäume, bunte Vögel, Tennis, Zumba, Open-Air-Yoga, Beach-Volleyball – in den Parks gibt´s alles.

Weiterer Spar-Tipp: Fahrrad fahren statt Underground. Ich kaufte meines auf dem Portabello-Flohmarkt für 20 Pfund, die Adrenalin-Stöße beim Linksverkehr-Üben waren inklusive. Auch Klamotten und Haushaltskram kriegt man auf den Flohmärkten für wesentlich günstiger als in den Vintage-Boutiquen, jedes Wochenende finden welche statt.

Und wo findet man das alles raus? Bei „Meetup.com“ London stieß ich auf Hunderte Aktivitäten und Gleichgesinnte. In den kostenlosen Zeitungen, die jeden Abend vor den Undergrounds verteilt werden, stehen haufenweise Veranstaltungstipps. Und natürlich im „Timeout“ Magazin. Es stellt täglich „London-for-free“ Events vor: Führungen durchs hippe East-End, Freiluft-Kino am Trafalgar-Square, Comedys, Konzerte undsoweiter. Ohne jegliche Recherche bietet der Londoner umsonst-Alltag außerdem: Nachbarn aller Hautfarben aus allen Kontinenten, die höflichsten Busfahrer der Welt, Haschisch-Wolken, wo immer man langspaziert und die Gewissheit, sich hier nie nie nie langweilen zu müssen, auch ohne dicken Geldbeutel. Thanks London!

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